Johann Friedrich Oetken wird am 16. August 1815 als zweites Kind von Dierk Oetken und Grete Oetken auf dem Hof seines Großvaters Johann Dierk Oetken (heute: Hartmut und Renate Schmerdtmann) in Altmoorhausen geboren. Er ist der jüngere Bruder von Johann Dierk Oetken und der ältere Bruder von Johann Oetken, Gesche Margarete Claußen und Tönjes Hinrich Oetken. Eine weitere, am 2. Dezember 1818 geborene Schwester stirbt noch am gleichen Tag und bleibt deshalb namenlos.
Eine Woche vor Johann Friedrichs Geburt wird Napoleon Bonaparte in der britischen Hafenstadt Plymouth an Bord der „HMS Northumberland“ gebracht. Das Kriegsschiff soll den nach der verlorenen Schlacht bei Waterloo gestürzten Kaiser der Franzosen an seinen Verbannungsort St. Helena bringen. Einen entsprechenden Beschluss hat die britische Regierung unter Premierminister Robert Jenkinson Ende Juli getroffen und Napoleon – der anfangs auf ein Leben als Privatmann auf einem englischen Landsitz gehofft hatte – unter dessen massivem Protest mitteilen lassen. Jenkins erscheint das Risiko zu hoch, dass der von den Teilnehmern des Wiener Kongresses offiziell zum „Störer der Weltruhe“ erklärte Ex-Kaiser bei einem Verbleib in Europa die in Wien beschlossene Neuordnung des Kontinents gefährden könnte.
Diese Gefahr besteht auf St. Helena wahrlich nicht. Kaum ein Ort ist derart isoliert vom Rest der Welt wie die unter britischer Hoheit stehende Insel im Südatlantik. Der nächstgelegene Punkt auf dem afrikanischen Festland liegt rund 1.850 Kilometer entfernt, bis zur Küste Brasiliens sind es 3.300 Kilometer. Mehr als zwei Monate dauert die Schiffsreise von Plymouth nach dorthin. Am 17. Oktober 1815 geht Napoleon in Jamestown an Land. Obwohl die Briten ihn als Kriegsgefangenen ansehen und jeden seiner Schritte überwachen, gestehen sie ihm ein Stück weit Luxus zu wie einen kleinen Hofstaat an Dienern. Was dem einst mächtigsten Herrscher Europas aber wenig nutzt: Seine auf einem Hochplateau liegende Unterkunft ist extremen Winden ausgesetzt, feucht und überdies rattenverseucht. Nachdem er dort einem Mitarbeiter seine Memoiren diktiert hat, langweilt Napoleon sich buchstäblich zu Tode und stirbt im Mai 1821.
Für Johann Friedrichs von 1811 bis 1813 französisch besetzte Heimat bedeutet Napoleons Sturz einen Neuanfang: Auf dem Wiener Kongress wird das Herzogtum Oldenburg zum Großherzogtum erhoben. Johann Friedrichs Vater begründet 1818 im heutigen Hemmelsberg an der Moorhauser Straße den späteren Hof von Hubert und Erika Neels. Den Umzug dorthin erlebt Johann Friedrich allerdings schon nicht mehr mit: Er stirbt am 13. September 1817 nach dem Sturz in einen Graben und wird fünf Tage später auf dem Friedhof der St.-Elisabeth-Kirche in Hude beerdigt.